Mittwoch, 25. Februar 2015

Stays um 1811

Nachdem ich mein Kampfrauprojekt letzten Herbst abgeschlossen habe, überlegte ich was ich nun als nächstes angehen könnte. Im Sommer fiel mir ein feiner rosa Baumwollstoff in die Hände, welcher perfekt für ein Empire Ballkleid passen könnte.

Also begann ich nun konkreter zu planen. Da ich schon ein paar Empirekleider besitze aber noch kein richtiges Korsett wollte ich dies jetzt nachholen, damit auch das geplante Ballkleid die perfekte Silhouette bekommt. 
Beim stöbern in ein paar Blogs, gefiel mir die Umsetzung eines Korsetts von Eva beruhend auf einem Original um 1811 besonders gut.
Das Original ist bei 19thus bis ins Detail bebildert und es ist sogar eine Schnittzeichnung gemacht worden. Mein Entschluss war gefasst, dass ich auf diesem Original mein Korsett aufbauen werde.
Eva hat in ihrem Blog das Original und ihre Umsetzung toll beschrieben, was mir eine große Hilfe war, um den Einstieg für mein Korsett zu erleichtern. Ihres sieht einfach toll und so nah dem Original aus:
Eva's Korsett
Eva's Korsett

Für mein Korsett entschied ich mich, auf den Schnitt des Originals aufzubauen, aber meine eigene Gestaltung mit hinein zubringen. Als erstes machte ich eine Zeichnung wie die Stays später aussehen sollten.


Nun ging es mit der konkreten Planung und vielen Fragen los: Wo bekomme ich einen Blankscheit her? Was für einen Stoff verwende ich? Stahlstäbe, Peddingrohr, Kordeln und/oder Plastikfischbein?...
Nach langem überlegen entschied ich mich für ein cremefarbenen Baumwollstoff als Oberstoff und festen Leinen als Futter, sprich nur zwei Lagen. Die dünnen Kanäle unter der Brust und in der Front wollte ich mit Kordeln durchziehen und für die breiteren Tunnel entschied ich mich für 11mm breites Stahlband.
Mit Stahlband hatte ich schon gearbeitet und da diese Art von Korsett für mich Neuland war wollte ich damit auf Nummer sicher gehen.
Einen Blankscheit für mich zu finden war nicht möglich. Teilweise war er ausverkauft bzw. zu lang. Also habe ich zum ersten Mal in meinem Leben mit Holz gearbeitet und dank etwas Hilfe mir meinen Blankscheit aus Buchenholz selbst gemacht.

Durch etwas Verzögerung in der Lieferung einzelner Teile ging es Mitte Januar los.
Nach zwei Probeschnitten stand das fertige Schnittmuster und der Zuschnitt des eigentlichen Stoffes begann.


Die Träger wollte ich erst später zuschneiden, nachdem ich das Korsett schon schnüren kann. Dadurch sparte ich mir allzu viele Änderungen der Träger.
Ich setzte mir in den Kopf alles mit der Hand diesmal zu nähen.
Also wurden Futter und Oberstoff getrennt voneinander zusammengenäht und dann zusammengesetzt.
Einen farblichen Akzent setzte ich damit, dass alle sichtbaren Nähte des Oberstoffes mit dunkelgrünem Baumwollgarn genäht worden sind.
Erst wurden die Tunnel genäht und dann kam die Verzierung in der Font sowie die Tunnel für die Kordeln dazu.

Die Kordeln zog ich doppelt mit Hilfe von Zange und Sticknadel ein.
 
Weiter ging es mit den Schnürlöchern. Die Schnürung sollte wie im Original im Zickzack verlaufen. Ich zeichnete alle 3cm ein Loch an und stickte ganz brav, vorm Fernseher sitzend 28 Schnürlöcher. Das kann eins sehr meditative Arbeit sein ;) .

Nun konnte ich meine Stays zum ersten mal richtig anprobieren. Schnell fiel mir auf, dass ich in der Rückenpartie ruhig enger zuschneiden können. Denn "Mut zur Lücke" ist kaum vorhanden. Auch schlägt es in der Taille eine Falte.
Das wird also beim nächsten besser gemacht.
Doch für mein erstes Teil war ich schon recht zufrieden und fing nun an die Träger zu zuschneiden und anzupassen.
Dann musste ich die Stäbe auf die richtige Länge kürzen und mein Korsett ebenfalls um 2cm kürzen.
Ich während ich aus dem Oberstoff das Schrägband zum versäubern der Kanten bügelte (im übrigen ca. 12mm breites Schrägband), fiel mir ein, dass ich ganz vergessen hatte, daran zu denken, dass ich meinen Blankscheit auch raus nehmen möchte. Ich wollte das Korsett komplett einfassen und hätte den Blankscheit somit eingenäht.
Also trennte ich am Saum den Tunnel des Blankscheits etwas auf und machte zwei Schnürlöcher in den Oberstoff und zwei in das Futter. Mit dem Schrägband fasste ich an dieser Stelle nur den Oberstoff ein und das Futter versäuberte ich mit dem Knopflochstich.

Dafür, dass ich diese Komponente bei der Planung voll vergessen hatte, bin ich mit meiner Umsetzung doch ganz zufrieden.

Und damit ist mein Korsett fertig!!!
Mit Unterkleid darunter und den Trägern fällt die Falte in der Taille nicht mehr so extrem auf.
Es ist, finde ich, schon erstaunlich was so ein paar Stäbe und ein Blankscheit für eine tolle Silhouette zaubern.

Ich danke Eva, dass ich ihre Bilder verwenden durfte und auch Sabine von Kleidung um 1800, wo ich mich stark zum Thema Korsett belesen konnte. 

Freitag, 20. Februar 2015

Zwei fünfziger Jahre Kleider

Die Mode der fünfziger Jahre ist für mich eine ganz tolle Mode. Diese weiten Röcke, welche man mit und ohne Petticoat tragen kann fasziniert, so glaube ich, fast jede Frau.
Also entschied ich mich auch ein Kleid zu nähen…

… Aus diesem Entschluss wurden zwei.

Das erste Kleid ist nach dem Schnittmuster Butterick 5748 Vintage genäht worden. Als Material habe ich eine fein karierte Baumwolle die einen leichten Stand hat.





Und einmal von hinten


Ein Futter sollte anders wie im Schnittmuster beschrieben das Kleid nicht bekommen. So habe ich es mit Schrägband eingefasst. Da es mir noch nicht ganz gefiel, verzierte ich die Taillennaht mit Sticktwist und setzte auf die rechte Schulter eine kleine Verzierung. Geschlossen wird es mit einem nahtverdecktem Reißverschluss. (Ich weiß die gab es zwar zu dieser Zeit noch nicht aber ich arbeite lieber mit diesen als mit den einfachen Reißverschlüssen)

Ich trage diesen rosa Traum heute gern im Alltag und es ist eines meiner „modernen“ Lieblingskleider.

Das Schnittmuster des zweiten Kleides ist einfach und genial zu gleich. Es heiß Butterick 4790 Kleid wie auch mein rosa Kleid ist das Muster aus der Butterick Retroreihe. Für jeden der noch nicht lange beim Nähen dabei ist und sich ein schönes Kleid nähen möchte ist das Schnittmuster eine gute Entscheidung. Es ist einfach und schnell zu nähen. Die Einzige Schwierigkeit könnten die Abnäher darstellen.



Es ist ein Wickelkleid und aus schön fallender Baumwolle. Hinten schließe ich es mit einem Knopf und vorn mit drei Druckknöpfen. Der ein oder andere findet vielleicht den Kontrast zum gelben Schrägband sehr krass aber ich meiner Meinung nach harmonieren die beiden komplementär Farben sehr gut miteinander.











Ein weiteres Stück ist gerade in Planung, diesmal mit einem Druckstoff und einem unifarbenen Stoff, doch die Suche des passenden Uni-Stoffes gestaltet sich schwieriger als gedacht.