Freitag, 11. Dezember 2015

Weißes Regencykleid nach Past Patterns No.31

Lange lag ein weißer Baumwollstoff der sehr dem "Dotted Swiss" ähnelt bei mir im Schrank herum.
Schon beim Kauf war mir klar:
"Daraus soll ein Regencykleid entstehen."
Doch die Angst dieses schöne Stück Stoff zu zuschneiden und mich zu verschneiden war groß. Als ich mir dann aber das Schnittmuster Past Patterns No. 31 gekauft habe, habe ich es gewagt und gesiegt!
Zum Schnittmuster:
Es ist genial! Wenn man des Englischen mächtig ist, ist es super gut beschrieben, auch wie man Änderungen vornehmen muss. Das Probeteil passte Perfekt. Es ist meiner Meinung nach jeden Cent wert.

Zum Kleid:
Da der Stoff sehr dünn ist und durch die Noppen hervor stehen würde meine Nähmaschine ihn "fressen". So habe ich das Kleid komplett mit der Hand genäht.
Das Oberteil ist mit einem festeren Baumwollstoff gefüttert.
Das Kleid zu nähen hat sehr viel Spaß gemacht, weil der Schnitt einfach passt und ich nicht wiederholt etwas ändern musste.

So jetzt ist es offiziell ich besitze ein klassisches weißes Regencykleid. Das Seidenband kann ich weg lassen/austauschen und somit ist es sehr Wandlungfähig.

Ich hoffe ich kann irgendwann einmal ein Fotoshooting damit machen.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Haube um 1770

Aus einem feinem Baumwollstoff ist eine neue  1770er Haube entstanden.

Manch einer hat mich schon für verrückt erklärt, da ich so viele Falten gelegt habe. Beim Legen habe ich zwar geflucht aber es hat sich gelohnt. Hierbei habe ich auch das erste Mal mit Stärke gearbeitet und die Faltenpratie gestärkt.

Als Basisschnitt habe ich "Woman's and Girl's Caps" von Kannik's Korner (View A) genommen und diesen etwas verändert. Die Haube ist komplett mit der Hand genäht und kann mit verschiedenen Seidenbändern getragen werden.

Freitag, 24. Juli 2015

Ballkleid um 1810

Wie fange ich am Besten an?
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
...versuchen wir es so:

Vor ziemlich genau zwei Jahren durchstöberte ich den Stoffladen in meiner Heimatstadt und fand dort den so seltenen Baumwollmusselin, in rosa. Das ist zwar nicht meine Lieblingsfarbe aber für 8€ der Meter konnte ich nicht wiederstehen und nahm 4 Meter mit.
Einige Wochen später gab es den selben Stoff dann auch in weiß, da habe ich natürlich noch einmal zugegriffen.

Mir war von Anfang an klar, dass aus diesem Stoff ein Empirekleid werden sollte. Doch die Umsetzung war mir noch nicht ganz klar.
Letztes Jahr viel mir dann dieses Modekupfer auf:

Costume Parisien, 1810
Mir fehlt die Geduld für aufwendige Stickerein und auch wollte ich keinen zu sehr ausgeputzten Rock. Also passte es perfekt in meine Vorstellung von einem Ballkleid.

Nun fing ich an zu planen.
Diesmal wollte ich die damalige Silhouette genau aufnehmen also machte ich erst ein Korsett.
Da der Stoff sehr dünn ist habe ich mir einen Petticoat aus Baumwolle genäht. Das verwendete Schnittmuster ist "Bodiced Petticoat" aus der Schnittmustersammlung "Regency-Wardrobe" von La Mode Bagatelle.

Mein Petticoat


Zu diesem Zeitpunkt wollte ich die Nähmaschinenadel schwingen lassen. Daher sind hier viele Nähte mit der Maschine genäht worden.

Nun weiter zum eigentlichen Kleid.
Ich habe mir anfangs eine Zeichnung vom Kleid gemacht. Mir hilft das um über Schnitt (selbst erstellt) und Proportionen nach zu denken. Vieles entscheidet sich dennoch spontan.
Die Zeichnung mit den Stoffen
Ich habe mich dafür entschieden das Kleid komplett per Hand zu nähen und es hinten mit Bändern zu schließen. Das Futter (ein fester Baumwollstoff) ist nur bis zur hinteren Seitennaht und Schulternaht mit dem Oberstoff verbunden und wird mittels Nadeln geschlossen.

Die geöffnete Rürckenpartie
Unter der Brust habe ich ein Baumwollband eingenäht, welches nur im vorderen Teil fest genäht ist. Dadurch bleibt das Oberteil dort wo es hin gehört und das Unterbrustband aus Seide wird entlastet.

 
Das beschriebene Band unter der Brust
Anfangs wollte ich das Rockteil komplett flach einnähen und nur hinten im Bereich des Rückenschnitteils kräuseln. (Das Rockteil besteht aus 2x1,5m breiten Stoffbahnen.) Doch dies war trotz feinem Stoff nicht möglich. Es wellte sich und fiel überhaupt nicht schön. Also legte ich das Rockteil in Falten.

Die jetzige Faltenlösung

Bei meiner ersten richtigen Anprobe stellte ich fest, dass an der Schulter und an der voderen Naht meines Oberteils das Kleid abstand. Ich musste die Ausschnittspartie, da ich nicht wieder komplett alles auftrennen wollte, etwas einkräuseln. Dies ist nicht weiter schlimm da eine Rüsche über die besagte Stelle später gekommen ist.

 Anprobe: am Ausschnitt sieht man die gekräuselte Partie
Anprobe man sieht schon den tollen Faltenwurf
























Nun zur Ausziehr:

Die Rüschen habe ich aus dem weißen Musselin gemacht. Die schmale Rüsche am Ausschnitt sowie die am Ärmel sind aus 1 Inch (2,54cm) breitem Stoffstreifen gemacht. Die breite Rüsche ist 2 Inch (ca. 5cm) breit und wurde in der Mitte, mit Hilfe eines Punktstichs, gekräuselt. Die Kannten der breiten Rüsche, sowie eine Kannte der schmalen Rüschen wurden mit dem "Rolled Hem" Stich versäubert. Eine tolle Möglichkeit möglichst schmal zu säumen. Die zweite Kannte der schmalen Rüschen wurde mit dem "Rolled Whipped Gathers" Stich  (wird hier gut erklärt) versäubert und gleich gekräuselt.

An den Saum habe ich, wie auch im Modekupfer zu sehen, ein weißes Seidenband 2,4cm breit mit Punktstich angenäht.



Für das Brustband hatte ich erst die selbe breite an Seidenband vorgesehen, doch ich habe mich dann für ein 12mm breites Band entschieden. Dieses Band wird nachdem das Kleid angezogen ist angelegt und mittels Nadeln am rechten Platz gehalten.


Und nun kann der Ball kommen:

Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller
Bild: Ela Müller


Bild: Ela Müller
Die Bilder wurden im Bauernhausmuseum Bielefeld, von meiner guten Freundin Ela gemacht. Vielen Dank nochmal dafür!
Bis zum richtigen Ball möchte ich mir noch ein Paar Handschuhe und eine Reticule machen.
Wie gesagt eigentlich ist rosa nicht meine Farbe ABER ich mag dieses Ballkleid schon jetzt sehr!
Bild: Ela Müller 
Bild: Ela Müller

Freitag, 10. Juli 2015

Kirtle um 1470

Gehen wir zurück ins Mittelalter. Genau gesagt um 1470 herum.

Für diese Zeit habe ich mir ein Kirtle (das damalige Kleid) geschneidert.
Im 15. Jahrhundert kam es auf, dass man das Rockteil des Kirtle ansetzt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: kräuseln, falten oder ausstellen. Ich habe mich für Falten entschieden genauer gesagt das Rockteil ist in Kellerfalten gelegt worden.

Weiterhin ist es typisch für das 15. Jahrhundert, dass die Ärmelnaht hinten liegt. Durch den speziellen Zuschnitt ist es möglich, den Ärmel besonders eng zu machen ohne Bewegungsfreiheit einzubüßen.
Hier gut sichtbar die Ärmelnaht
Für mein Kirtle habe ich einen Wollstoff verwendet. Die Nestellöcher sind aus Wollgarn und das Nestelband ist ebenfalls Wolle hergestellt.  
Auf dem Weg zum Markt








Das Schnittmuster habe ich selbst konstruiert und die sichtbaren Nähte wurden mit der Hand genäht.

Und hier noch ein kleiner Tipp:
Ein gutes Buch bezüglich der Kleidung des Mittelalters ist "Mittelalterliches Schneidern: Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht".
Dieses Buch bietet einen guten Überblick der Kleidung der drei Jahrhunderte für Mann und Frau. Es gibt viele Schnittzeichnungen die Man(n) oder auch Frau für sich vergrößern und abändern kann.
Dennoch sollte man bedenken, dass hier nur allgemein eingegangen wird. Möchte sich man auf eine Region den Schwerpunkt setzten, sollte man auf jeden Fall weiter recherchieren.
Doch für Einsteiger und Neugierige ist dieses Buch empfehlenswert.
Wer des Englischem mächtig ist kann sich auch online die englische Version als pdf ansehen. 

Donnerstag, 7. Mai 2015

Cotte um 1300

Ja auch mir passieren noch Fehler. Bei dieser Cotte lief nur wenig nach Plan.
Das fing schon mit dem Stoffkauf an. Vor einigen Monaten habe ich auf einen Stoffmarkt einen grünen Wollstoff gekauft. Erst freute ich mich über dieses Schnäppchen. Doch zu Hause angekommen stellte ich fest: Der Stoff hat Mottenlöcher!
Ärgerlich, doch ich hatte vor eine einfache Cotte daraus zu machen und so wird sie von Anfang an gestopfte Löcher haben.
Im Eifer von abmessen und zuschneiden passierte mir dann noch ein Fehler. Ich vergaß, dass nicht meine Schultern sondern meine Brust die breiteste Stelle meines Körpers ist.
Aufgefallen ist das mir aber erst bei der ersten Anprobe, als das eigentlich Sackartige Kleid an der Brust spannte. Ich versuchte dies mit großen Ärmelkeilen etwas zu mindern.
Doch gefrustet von alledem flog das Stück in die Ecke.
Unterdessen ist aus den Resten des Stoffes meine 1770er Jacke entstanden.

Nach ein paar Monaten hatte ich Lust mein Kleid wenigstens fertig zu stellen.
Eigentlich musste ich es nur noch Säumen. Dies habe ich mit Leinengarn gemacht. Die Nähte sind nicht die schönsten geworden doch irgendwie passt es zu dieser verunfallten Cotte. Im Innerem habe ich die Kannten mit Wollgarn versäubert, welches ich auch für das Stopfen der Löcher verwendet habe. Diese einfache Cotte hat zwei Geren in der Seite und die Ärmel werden zum Handgelenk hin enger.

ein Teil der gestopften Mottenlöcher


Der Ärmel mit dem größerem Keil


Ich finde es ist ein schönes Beispiel, dass es sich lohnt auch ein lang liegen gelassenes Projekt zu vollenden.

Sonntag, 29. März 2015

Mitts 18. Jahrhundert

Ein schönes Accessoires für meine 18. Jahrhundert Ausstattung ist entstanden.
Ich habe mir ein Paar Handschuhe aus den Resten meines Kampfraukleides gemacht.

Den Schnitt habe ich diesmal selbst erstellt. Die Handschuhe sind komplett Handgenäht. Und ich muss sagen: "Ich liebe sie!"
Eine Aussage die ich nur selten über meine Stücke gebe.


 
Die Klappe habe ich mit einem curryfarbenen Wollstoff gefüttert, woraus in nächster Zeit auch noch eine Jupe entstehen soll.
Bild von Ela Müller
Auf dem letzten Bild kommen die Farben der Realität sehr Nahe.

Montag, 23. März 2015

Manteau de Lit

Letzten Sommer habe ich neben meiner Jacke ein Manteau de Lit aus Wolle nach der Erklärung von Marquise gefertigt.
Es ist erstaunlich wie leicht es ist eine einfache Ausstattung für die Frau zu machen. Bei einem weiten Manteau de Lit braucht man nicht einmal eine Schnürbrust darunter zu tragen.
Für meine einfache Darstellung ist so ein Stück perfekt.


Die Innennähte habe ich mit der Maschine genäht und nur den Ärmelsaum per Hand gesäumt.



Da der Stoff nach mehrmaligem tragen anfängt zu fransen werde ich die Kanten wohl noch säumen müssen.