Freitag, 21. November 2014

Häubchen mal 2

Im Laufe der Zeit sind bisher für das Rokoko und das Regency zwei Hauben entstanden.
Beide sind nach dem Schnittmuster "Woman's and Girl's Cap Everyday Headweare" von Kanniks Korner genäht worden.

Die erste Haube ist aus feinem Leinen gefertigt und komplett per Hand genäht. Den vorderen Rand habe ich im Bogen zugeschnitten und das Schnittteil gekräuselt.



Meine zweite Haube ist aus etwas festerem Leinen und auch wieder mit der Hand genäht. Diesmal habe ich das Voderteil gerader gelassen und es in Kellerfalten gelegt.


 


Donnerstag, 20. November 2014

Meine erste Schnürbrust

Der Wunsch eine einfache Rokoko-Robe zu machen hatte ich schon einige Monate bevor ich mit der Schnürbrust anfing.
Schnell wurde mir klar, dass ich auf Grund meiner wenigen Erfahrung, ein halbversteiftes Korsett mit 11mm breitem Stahlband nähen würde.
Da ich selten jemanden habe der mir beim Anziehen helfen kann wollte ich ein Korsett, welches vorn wie hinten eine Schnürung hat.
Ich orientierte mich an der ausführlichen und super beschriebenen Anleitung von Marquise

Ich entschied mich für ein vier-lagiges Korsett, woraus die beiden Innenlagen aus weißem festen Bauernleinen sind, wie auch das Futter. Als Oberstoff habe ich einen leicht glänzenden Baumwollstoff genommen.

Die Anleitung von Marquise machte es mir möglich schnell ein Schnittmuster für meine Maße zu erstellen.
Das Schnittmuster


Weiter ging es mit dem Zuschnitt aller Lagen und dem zusammen Nähen der Innenlagen. Danach habe ich die Tunnelnähte angezeichnet.

Die teilweise schon angezeichneten Tunnelverläufe

Die Tunnelnähte im Detail


Da ich oft sehr ungeduldig bin habe ich hier zur Nähmaschine gegriffen. Was bedeutet, dass alle Seitennäht sowie die Tunnelnähte mit der Maschine genäht wurden.
Im nächsten Schritt ging es daran die Stäbe einzuziehen und diese im Vorhinein mit Verschlusskappen zu versehen.

Eine aufgesetzte Verschlusskappe
Die eingezogenen Stäbe

Jetzt war es an der Zeit alle vier Lagen zusammen zu bringen und Schulterträger anzubringen. Diese habe ich nur aus eine Lage Leinen und einer Lage Oberstoff hergestellt. Erst jetzt habe ich die Zaddeln eingeschnitten.
Aber das Mühevollste für mich kam erst jetzt:
Die Säume mit selbst zugeschnittenem, schmalem Schrägband zu versäubern, sowie die vielen Schnürösen per Hand zu um stechen.

Während des Versäubern mit Schrägband

Durch ein leichtes Holkreuz meinerseits geht die hintere Schnürung nur bis zur Taille um zu vermeiden, dass die Stäbe trotz Zaddeln in den Rücken drücken.
Und so sieht die fertige Schnürbrust aus:
Die Schnürbrust von vorn

Die Schnürbrust von hinten
Mich ärgerte ein wenig, dass hinten die Schnürung nicht gleichmäßig verteilt war. Heute (1,5 Jahre später) ist es nicht mehr so tragisch. Meine Proportionen haben sich verändert und nun ist auch hinten die Schnürung gleichmäßiger.

Sonntag, 9. November 2014

Das Kampfrau-Projekt

Als ich letztes Jahr auf der Mittelalterwoche in Visby zu Besuch war, fielen mir die vielen Landsknechte auf.

Da ich diese Roben sehr interessant und einfach nur toll fand, war mein Entschluss schnell gefasst: Ich brauche ein Kampfraukleid!
Also habe ich mir als Souvenir Stoff von dem Markt mitgenommen. Einen petrolfarbenen Wollstoff (4m) und einen dunkelroten Wollstoff (1m).

Wieder in Deutschland ging die Recherche los und die Frage welches Vorbild ich nehmen sollte. Das war gar nicht so einfach, da ich schon gewisse Vorstellungen hatte wie das Kleid aussehen soll.
Schließlich entschied ich mich Urs Graf "Lagerdirne und Erhängter" 1525 zu interpretieren und nach zu nähen.

Um eine bessere Vorstellung für mein Langzeitprojekt zu bekommen zeichnete ich es erst einmal auf. Ich bin nicht die beste Zeichnerin aber für meine Zwecke reicht es ;)


Der erste Probeschnitt war erstaunlicherweise kein Problem.
Also machte ich mich daran das Oberteil sowie die Ärmel zu zuschneiden.
Im vorhinein habe ich mich dazu entschieden, dass der rote Brusteinsatz ein einzelnes Teil wird, welches am Ende mit Nadeln am Oberteil festgesteckt wird. Dies hat den Grund, dass ich das Kleid an der Seite schließe und das Oberteil sehr eng sitzen muss. So ist auch das An- und Ausziehen leichter.
Nachdem zusammen nähen des Oberteils und das Annähen des Rockteiles sah das Kleid so aus:


Da der Stoff leicht angeraut ist, ist es nicht notwendig die Schlitze zu versäubern. Das hat einiges an Arbeit gespart.
Mein nächster Schritt lag daran, die Streifenhöhe für den roten Einsatz im Rockteil festzulegen. Ich entschied mich nach längerem Überlegen diese etwas weiter auseinander zu ziehen als im Vorbild und in der Zeichnung. Doch die Stickerei habe ich beibehalten und mit Baumwollgarn angebracht.

Die Stickerei zwischen den Streifen im Rockteil


Da das Kleid größtenteils nun fertig war machte ich mich an das Unterkleid.
Dieses habe ich aus etwas feinerem Leinen gefertigt. Hauptsächlich richtete ich mich nach dem Tutorial von Katafalk. Wer über die Machart mehr erfahren will das Tutorial ist wirklich Empfehlenswert.

Smocken ist zwar aufwendig aber so schön!

Ich hatte zwar schon eine Wulsthaube aber die Anleitung von Katafalk animierte mich noch eine weitere zu machen. Diese ist mit dem Streuchlein als nächstes entstanden. Ebenfalls wieder aus Leinen. 

Die eigentliche Haube von vorn...

... und von hinten.

Weiter ging es mit dem Hut welcher mir wirklich Kopfzerbrechen bereitete. Die Umsetzung von Katafalk war diesmal nicht nach meinen Vorstellungen. 
Schließlich entschied ich mich dazu ein Filz zu beziehen und dieses dann auszuschmücken. 

Auch habe ich nun noch ein Gollar aus brauner Wolle angefertigt. Der Streifen und das Futter sind aus den Resten meines roten Wollstoffes vom Kleid entstanden. 

Und so sieht nun mein fertiges Projekt aus:


Die Kuhmaulschuhe habe ich gekauft
Die weiteren Accessoires sind aus meinem Bestand.  

Das Gollar vom nahem.








 Sitzend, Vor- und Rückansicht des Kleides ohne Gollar




Fazit: 
Nach ca. 200 Stunden Arbeit, 5,5m Wollstoff, 4m Leinen, diversen Federn, Stickgarn-Metern und Nähgarn-Metern: Es sieht nicht so wie ich es mir anfangs vorgestellt habe aus aber dennoch mag ich es sehr!