Samstag, 3. Juni 2017

Projekt 1885: Done!

Nun ist es schon fast ein Jahr her seit dem ich nichts mehr von mir hören lassen habe.

In dieser Zeit ist bei mir viel passiert. Jedoch nicht wirklich an der Nadel.
Ich habe mein Studium beendet und werde bald als Ingenieurin anfangen zu arbeiten. Deswegen wird es immer mal wieder einen kleinen Beitrag geben, aber auch zukünftig nicht regelmäßig.

Doch nun zum eigentlichen Thema:
Ein Jahr hat es gedauert, jetzt kann ich aber mit Stolz sagen, meine erstes viktorianisches Ensemble ist fertig!

Gleichzeitig muss ich aber zugeben, sie ist anders geworden, wie ich sie geplant habe.

Am meisten Zeit hat mich das viktorianische Korsett gekostet. Dieses habe ich nach dem Schnitt von Laughing Moon hergestellt. Da ich ein perfekt sitzendes haben wollte, habe ich insgesamt drei Probeteile gemacht. Durch meinen relativ kurzen Oberkörper musste ich den Schnitt oberhalb der Taille mehrfach anpassen.

Für das eigentliche Korsett habe ich als Hauptstoff schwarzen Coutil genommen. Für den Oberstoff fand ich lila Seidensatin. Verstärkt ist das Korsett mit Spiralband, bis auf die Tunnel an der Schnürrung. Dort habe ich 5,5mm breites Stahlband verwendet. Bevor ich die einzelnen Schnitteile zusammengenäht habe, habe ich den Oberstoff auf die obere Schicht des Coutil geheftet, damit der Oberstoff später beim Tragen weniger Falten wirft.
Es ist komplett mit der Maschine genäht, bis auf die Verstärkungen an den Tunneln. Dafür habe ich ein mintfarbenes Seidengarn genommen.


An sich kann ich das Schnittmuster von Laughing Moon sehr empfehlen und als Ergänzung dazu die Erklärung von marquise.de. Sie hat mir an der ein oder anderen Stelle sehr gut weiter geholfen.

Weiter ging es mit der Tournüre an sich. Hierfür habe ich einen festen Baumwollstoff in Leinwandbindung verwendet und anstatt mit Schrägband, mit Tunnelband gearbeitet. In die Tunnel kamen 11mm breites Stahlband rein. Das Schnittmuster ist, wie auch von allen weiteren Stücken, von Truly Victorian TV163. Ich habe aber nicht die imperial Größe sondern die regular Größe gemacht.

Als Hauptfarbe für mein Ensemble habe ich mich für die Farben Petrol und Türkis entschieden. Obwohl beide bei Tageslicht mehr ins grünliche gehen.
Die Stoffe sind reine Baumwolle.

Der Rock ist super simpel, nach dem Schnitt TV261 gemacht. Ganz schlicht ohne irgendwelche Verzierungen. Er wird einfach mit zwei Harken geschlossen

Bei der Schürze bin ich von meinem Plan abgewichen. Eigentlich wollte ich eine machen, die der von meinem Vorbild sehr ähnlich ist. Nach zwei nicht zufriedenstellenden Versuchen liegt nun das Teil im Dornröschenschlaf. Denn ich habe einfach festgestellt, dass allein drapieren ohne Schneiderpuppe nicht möglich ist. Weiter kenne ich mich mit der Schnittführung bei Schürzen noch gar nicht aus.

Deswegen habe ich spontan mich dazu entschlossen ersteinmal eine nach Schnittmuster (TV365) zu machen. Ganz habe ich mich dann doch nicht ans Schnittmuster gehalten. Da sie mir am Ende viel zu lang erschien und ich das von den Proportionen überhaupt nicht schön fand wurde sie um ca.15cm kürzer. Weiter habe ich auch mehr "Puffs" im hinteren Teil eingenäht als vorgegeben.
Geschlossen wird sie mit bezogenen Knöpfen aus dem selben Stoff.

Die Jacke ist auch nach einem Truly Victorian Schnittmuster TV460. Da ich schon beim Korsett Probleme mit meinem kurzen Oberkörper hatte war mir klar, dass ich nicht um zwei Probeteile herum kommen werde. Hier habe ich zu erst nach die Passende Größe für meine Maße aus dem Schnittmuster abkopiert und das erste Probeteil genäht.
Bei der Anprobe stellte ich fest, dass ich sehr viel zu kürzen hatte.
Das erste Probeteil mit den Änderungen
Da an sich die Jacke ab der Tallie abwärts passte habe ich an anderen Stellen gekürzt, wo es sonst das Schnittmuster es vorgibt. Ab der Tallie aufwährts habe ich ganze 5 cm gekürzt..
Das zweite Probeteil passte dann zu meiner Zufriedenheit. Erstaunlicherweise musste ich an den Ärmel nichts ändern. 

Die eigentliche Jacke habe ich aus dem selben Stoff gemacht wie der Rock. Als Innenfutter habe ich Weißen Baumwollköper verwendet und Spiralband eingenäht. Eine Sache musste ich doch noch ändern. Ich hatte mich etwas verschätzt, was die der benötigte Überstand der Knopfleiste anging. So habe ich die Abnäher verkleinert und sie weiter unten enden lassen. 
Für die Knöpfe habe ich mich wieder für bezogene aus dem selben Stoff entschieden und die Knopflöcher mit der Hand umstochen. 
Als einzige Verzierung habe ich an den Ärmelsaum ein ein bisschen "falsche Bluse" heraus blitzen lassen  


Wichtig war mir bei meiner ersten Jacke aus dieser Zeit, das gilt eigentlich für das gesamte Projekt, für die Schnittführung ein Gefühl zu bekommen. Ich habe mich deswegen bewusst für ein schlichtes Ensemble entschieden.

Fehlt nur noch der Hut. Da ich mich ja immer noch, trotz nun anderer Schürze, an Cora Brown Potters Bild orientiere musste es ein hoher Hut werden. 
Hierfür habe ich das erste Mal mit Hutdraht und Steifleinen gearbeitet. Die Anleitung dafür kam wieder aus dem Hause Truly Victorian (TV550).  
Ich habe mich für den XLarge Zylinder entschieden und ihn mit schwarzer Wolle bezogen.
Da ich noch keine Hutnadel besitze, trickse ich etwas, damit der Hut hält. Ich habe an der hinteren Mitte einen Haarkamm eingenäht, so hält er.
Verziert wurde er mit Schaumrosen von Nehelenia, frei nach dem Motto "viel hilft viel".

Und das ist nun meine erstes viktorianisches Outfit:


Die Handschuhe habe ich von Nehelenia und der Sonnenschirm ist ein Dachbodenfund.

Material:
Korsett: 1m Coutil, 1 Korsettschließe, diverste Meter Spiralband, Verschlusskappen, 2m 5,5mm breites Stahlband, 0,75m Seidensatin, Baumwollgarn und Seidengarn,

Tournüre: 3,5m Tunnelband und Stahlband, 1,5m Baumwollstoff, 1 Harke und Öse, Garn

Rock: ca. 2,5 m Baumwollstoff, etwas Vlieseline für den Bund, 2 Harken und Ösen, Garn

Schürze: ca 2,5m Baumwollstoff, Garn und etwas Vlieseline, 6 beziehbare Knöpfe, 3m Band

Jacke: 5m Baumwollstoff (Oberstoff und Futter), Innenfutter 1m Köper, ca.4,5m Spiralband, Verschlusskappen, 14 beziehbare Knöpfe (23mm), etwas beige Baumwollstoff für die Ärmel, 25m Knopflochgarn, Garn

Hut: 25 cm Steifleinen, 3m Hutdraht, 25cm Wollstoff, 1 Straßenfeder, 10 Schaumrosen verschiedener Größe, Kamm, ca. 70cm Seidenband, Garn

Kosten:
Ich kann es nur, abgesehen vom Korsett, allgemein schätzen, da ich alles nach und nach gekauft habe, bzw ein paar Dinge auch geschenkt waren.
Korsett: ca. 100€ (mit Schnittmuster)
alles weitere:  ca. 200€ (mit Schnittmustern)

Arbeitszeit:
Tja das ist wirklich nicht mehr reproduzierbar. An sich 1 Jahr wobei hier in vielen Phasen nichts daran gearbeitet wurde.
Beim Hut kann ich es noch ungefähr abschätzen: ca. 25 Stunden.

Vielen Lieben Dank an Sebastian für die tollen, teils bearbeiteten Bilder!

Samstag, 25. Juni 2016

Projekt 1885: Chemise

Wie ich schon in meinen Nähvorhaben dieses Jahr gesagt habe möchte ich meine erste Tournüre machen.
Die Recherche zu diesem Projekt ging wieder erwarten sehr schnell, da ich innerhalb kürzester Zeit auf dieses Bild gestoßen bin:
Ich finde zwar die aufwändigen Schürzen, Röcke und Jacken sehr faszinierend, doch hier die Schlichtheit so schön, dass ich es einfach machen muss. Der Fokus wird also darauf liegen, den Schnitt sehr gut umzusetzen und nicht mit Verzierungen abzulenken.

Schnitte habe ich schnell gefunden - die Meisten sind von Truly Victorian. Mein Ensemble wird komplett petrol/grünlich. Das stelle ich mir besonders gut in einem herbstlichen Umfeld gut vor. Ein Schirm der so ähnlich ist wie auf dem Bild besitze ich. Was ich mir schwierig vorstelle ist einen Zylinder in dieser Form zu bekommen und Lederhandschuhe. Ich bin noch auf der Suche danach.
Ein Großteil meiner Zutaten zum Ensemble
Da ich noch nichts aus dieser Zeit besitze, fange ich bei null an. Also zurerst die Chemise. 

Die habe ich nach einem Schnittmuster von Laughing Moon angefertigt. Meine Chemise ist aus feinem Leinen gemacht und mit der Nähmaschine genäht. (Endlich ist das auch mal offizell erlaubt) Ich konnte es mir nicht nehmen und ich musste sie auch verzieren. Am Ausschnitt und an den Armlöchern habe ich eine schmale Baumwollspitze angebracht. Am Saum habe ich eine etwas breitere genommen und 5 Falten eingenäht. 
Der Schnitt ist super beschrieben gewesen und sie ist wirklich goldig geworden. 
Ich bin nun sehr gespannt wie ich mit dem Korsett zurecht komme. Fortsetzung folgt...

Dienstag, 14. Juni 2016

Einfache Herrenkleidung um 1770

Für eine Veranstaltung im Mai habe ich nun das erste Mal eine Männerklamotte gemacht.
Aus Zeitgründen und da es eine einfache Darstellung sein sollte, habe ich mich für eine Kurzjacke entschieden.
So fällt ein aufwändiger Rock und eine Weste weg.
Dank der Hilfe von Marquise habe ich den Kniehosenschnitt im dritten Anlauf endlich hin bekommen und sie liegt sogar am Knie recht eng an. 

Auch das Hemd aus Leinen ist nach einer Anleitung von Marquise entstanden.

Die Jacke ist nach dem Schnitt Kannik's Korner Man's Double-Breasted Short Jacket 1770-1800 gemacht. Da der Herr etwas größer ist als das Schnittmuster angibt und leicht schief gebaut musste ich es noch anpassen. Das Obermaterial ist Wollloden und gefüttert habe ich es mit Leinen. 
An sich gehört noch eine zweite Knopfreihe dran. Doch die Knopflöcher und die Knöpfe kamen erst am Abend vorher bzw. Morgens kurz vor der Veranstaltung dran und so werden sie in einer ruhigen Minute noch angenäht.

Bilder von der Belebung des Palias Hohaus zu Lauterbach gibt es übrigens hier.

Freitag, 19. Februar 2016

Pelisse um 1810 militärisch verziert

Nun da ich schon ein paar Kleider aus dem Empire besitze, wollte ich auch eine Pelisse haben. Auf den Modekupfern um 1810 sind viele der Mäntel und Reitkostüme blau. Meine Kleidertruhe besteht für diese Zeit fast nur blau, weiß und rosa und so passt eine dunkelblaue Pelisse ins Schema.
Bis auf die Farbe hat es alles andere länger gedauert. Trotz Zeichnung war mir bis kurz vor dem Zuschnitt noch nicht klar wie genau ich den Mantel verzieren will.
Es ist Soutache in einem Königsblau geworden.
Bevor ich mich an den Wollstoff heran gewagt habe, habe ich wieder einen Probeschnitt aus Nessel gemacht. Wie schon bei anderen Projekten war die Basis ein Schnitt von der Schnittmustersammlung von La Mode Bagatelle. Diese Schnitte sind, nur neben bei bemerkt, eigentlich etwas für vollbusige Frauen. Ich muss sie immer abändern. Der Spencerschnitt besteht vorn aus zwei Teilen. Daraus habe ich eines gemacht und im Brustbereich zwei Abnäher gesetzt.
Das abgeänderte Schnittmuster aus dem Probestoff
Kurz vor dem Zuschnitt des Oberteils. Der Kragen ist breiter zugeschnitten worden als im Probeschnitt.
Das Vorderteil mit den angezeichneten Abnähern.
Erst ist nur den Oberstoff zugeschnitten und zusammen genäht worden. Die Ärmel sind gekräuselt, damit sie sich etwas aufstellen. Da ich mich für einen militärisch angehauchten Mantel entschieden habe, habe ich 5 Meter Soutache (leider Viskose da ich blaue nicht in Baumwolle gefunden habe) gekauft. Ich hätte auch silberne nehmen können, das war mir aber zu kräftig.
Mein Wollstoff ist relativ fein gewebt und so musste ich, an den Stellen wo ich viel Soutache aufnähen wollte, den Stoff verstärken. Das habe ich mit festen altem Bauernleinen gemacht. Verstärkt wurde: der Kragen, damit dieser besser steht, das vordere Schnitteil und der Ärmelsaum.
Das Voderteil während des Anhexen der Verstärkung.
Im Ärmelsaum die Verstärkung.
Nachdem ich damit fertig war fing ich an die Soutache aufzustecken. Das Tolle an Soutachen ist, dass sie Kordeln im inneren haben, an denen man ziehen kann und somit eckenfreie Kurven legt. Bei ein paar Metern Band kann so etwas aber auch dauern. Ich habe allein für das Legen und Anstecken am Vorderteil mehrere Stunden gebraucht. Die Schlaufen in der Mitte sind meine Knopflöcher geworden. Leider haben die 5m Soutache nicht ausgereicht und ich musste sie kürzen und am Halsausschnitt ein längeres Stück ansetzen.
Die Soutache angesteckt.
Die Verzierung am Ärmel
Im Inneren, nachdem die Soutache aufgenäht wurde.
Die Knöpfe habe ich mit dem Oberstoff übergezogen. Dannach ist aus einem alten Leinenbettbezug mein Futter entstanden. Das komplette Oberteil und die Ärmel sind damit gefüttert worden.
Nun kam das Rockteil dran. Insgesamt habe ich die dreifache Länge meines Unterbrustumfangs angenäht. Damit die Kräuselung im Rücken gleichmäßig wird, habe ich mir eine Schablone gemacht und, mit Hilfe von Kopierpapier und Pfrim, die Abstände auf den Stoff übertragen.
Die Schablone für die Kräuselung.
Das Rockteil überlappt sich vorn und wird mit einem Harken am Brustband befestigt. Außerdem habe ich es schlicht gelassen. Verzierungen am Rock wären mir zu optisch zu viel.
So sieht die Pelisse getragen aus:

Ärmeldetail
Rückendetail
Frontdetail
Leider kommt an manchen Stellen die Kordel der Soutache zum Vorschein, das kann ich nicht ändern aber es ärgert mich.
Die Pelisse wirkt auf den Bildern etwas gräulich, dabei ist es ein schönes Nachtblau. Zu der neuen Schute gibt bald einen eigenen Eintrag. Geplant habe ich außerdem eine passende Reticule. Wenn die fertig ist sind meine 3m Wollstoff komplett aufgebraucht.
Material: 3m Wollstoff, ca. 8m Soutache, 1/3 alter Leinenbettbezug (Futter), 0,5m Bauernleinen und 150m Baumwollgarn + Probeteil.

Kosten: ca. 65€

Zeit: ca. 70 Stunden